Der Neffe des Namensträgers unserer Schule Pfarrer Herbert Leuninger bei der Einweihung der "neuen Schule" mit seinem "Guide" Titzia, die ihm die neuen Räume zeigt.

Presseartikel der Frankfurter Neuen Presse über Franz Leuninger

70. Todestag von Franz Leuninger am
01. März 2015

Wer war Franz Leuninger?

Franz Leuninger wurde vor über 100 Jahren
(am 28.12.1898)
in Mengerskirchen geboren.
Als ein Mitarbeiter in der christlichen Gewerkschaftsbewegung lebte er in Deutschland im 2. Weltkrieg. Er schloss sich 

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dem geheimen Widerstand gegen Adolf Hitler an. Dafür wurde er vom deutschen Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 01. März 1945 wurde das Todesurteil in Berlin-Plötzensee vollstreckt.

 

Weil er nicht mit den Taten der Regierung einverstanden war, wurde Franz Leuninger mit 46 Jahren getötet. So etwas darf nie wieder geschehen und sein Name soll nicht vergessen werden! Unsere Schule trägt deshalb seinen Namen:

 

Franz Leuninger Schule!

Im Rahmen einer Unterrichtseinheit setzen sich immer wieder 4. Klassen mit der Person „Franz Leuninger“ auseinander und beschäftigen sich mit der Zeit, in der er lebte: dem Nationalsozialismus.

 

Die beiden Neffen von Franz Leuninger heißen Herbert Leuninger und Ernst Leuninger. Beide sind Priester und gern gesehene Gäste in unserer Schule. Sie erzählen dann eindrücklich aus ihrer gemeinsamen Zeit mit ihrem Onkel Franz.

Herbert Leuninger hat einen Brief an alle Schüler der Franz Leuninger Schule geschrieben.

Hier können Sie ihn lesen.

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Presseartikel der Frankfurter Neuen Presse über Franz Leuninger

von Johannes Laubach

In Mengerskirchen gibt es eine Franz-Leuninger-Schule, in Koblenz eine Straße mit diesem Namen und sogar in Berlin einen Leuninger-Pfad. Er ist ganz in der Nähe des Ortes, an dem der Namensgeber Franz Leuninger starb. Ganz in der Nähe der Hinrichtungsstätte Plötzensee.
 

Mengerskirchen. 

Viele bange Tage und Wochen waren vergangen seit dem Attentat am 20. Juli 1944 auf Hitler. Der engste Kreis um den Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg und die Köpfe des Widerstands mit General Ludwig Beck und Carl Friedrich Goerdeler waren längst erschossen oder saßen im Gefängnis, da befand sich der aus Mengerskirchen stammende Leuninger immer noch auf freiem Fuß. Leuninger, der nach dem gelungenen Umsturz im Schattenkabinett Beck/Goerdeler als Oberpräsident der Provinz Schlesien vorgesehen war, wurde erst am 26. September 1944 verhaftet.
 

Erst im Januar wurde der Widerstandskämpfer dann in das Gefängnis Berlin-Moabit verlegt und musste sich anschließend vor dem Volksgerichtshof verantworten. Am 26. Februar 1945 wurde er zum Tode verurteilt, am 1. März wurde das Urteil vollstreckt. In einem seiner letzten Briefe aus dem Gefängnis schreibt er: „Ich habe mein Schicksal in die Hände des Herrgotts gelegt. Wie er es macht, wird es schon richtig sein.“

Leuninger war zwar durch und durch katholisch, doch das Schicksal in die Hände des Herrgotts zu legen, galt erst, als nichts anderes mehr ging. Der Gewerkschafter, der in der NS-Zeit Geschäftsführer einer gemeinnützigen Siedlungsgesellschaft wurde, nutzte schon vor dem Krieg die damit verbundenen Möglichkeiten, mit Gegnern des Regimes in Kontakt zu treten und Verbindungen zu schaffen. Zu aktiven Widerstandshandlungen gegen Hitler oder das Regime ist es dabei offensichtlich jedoch nicht gekommen. Für seinen Bruder Alois jedoch sind die Kontakte untrügliches Zeichen dafür, dass der Widerstand nicht erst begann, als die militärischen Erfolge ausblieben.
 

Harte Kindheit

Der am 28. Dezember 1898 geborene Franz Leuninger, drittältestes Kind der Familie mit insgesamt neun Kindern, wuchs in einem sehr katholischen Haus auf. Die Frömmigkeit prägte keineswegs nur den Sonntag, sondern war täglicher Begleiter in einer durchaus harten Kindheit und Jugend. Trotz offenkundiger Begabung konnte er nur die Volksschule besuchen, der Familie – der Vater war Nagelschmied – fehlte das Geld für die Besuch einer höheren Schule. Mit 13 Jahren bereits musste Leuninger arbeiten gehen. Zunächst war er im Feldwegebau aktiv, dann wechselte er auf den Bau. Das hieß auch, den Heimatort zu verlassen. In Remscheid arbeitete er als Hilfsarbeiter und schloss sich den Christlichen Gewerkschaften an.

Am Ersten Weltkrieg nahm er aktiv als Soldat teil und wurde Unteroffizier. Nach dem verlorenen Krieg wurde Leuninger Vertrauensmann des Christlichen Bauarbeiterverbands, 1922 hauptamtlicher Lokalsekretär in Aachen, anschließend in Euskirchen. 1927 kam er als Bezirkssekretär nach Breslau, wo er für den Verband in Schlesien wirkte. Tüchtig, einsatzbereit und redegewandt, so wird er beschrieben. Humor hatte er auch, zudem zeigte er häufig Hilfsbereitschaft. Politisch engagierte sich Leuninger für das Zentrum. Er saß im Breslau im Stadtparlament und kandidierte im März 1933 für den Reichstag.

 

Neue Aufgabe

Seine gewerkschaftliche Funktion endete nach der Machtübernahme durch Hitler und der Gleichschaltung der Gewerkschaften am 2. Mai 1933. Leuningers bis dahin ausgeführte ehrenamtliche Funktion als Geschäftsführer der Siedlungsgesellschaft „Deutsches Heim“, einer Tochtergesellschaft der „Schlesischen Heimstätte“, wurde daraufhin zu einer hauptamtlichen Stelle und sicherte ihm und seiner Familie ein wirtschaftliches Auskommen. Die Gesellschaft wurde getragen aus der christlich-sozialen Bewegung und war überkonfessionell. In seiner neuen Funktion hatte Leuninger die Möglichkeit, auch Menschen, die dem Regime kritisch gegenüber standen, Arbeit und Brot zu verschaffen.

Fritz Voigt gehörte zum Beispiel dazu. Der ehemalige Polizeipräsident von Breslau war Sozialdemokrat und wurde aus dem Dienst entlassen. Er wurde mit Grundstücksgeschäften der Siedlungsgesellschaft beauftragt. Voigt gehörte ebenfalls dem Widerstand an und wurde schon zwei Tage nach dem misslungenen Attentat verhaftet.

 

Jedes Mittel erlaubt

Leuninger zeigte von Beginn an eine deutlich Distanz zum NS-Regime. Diese ist offensichtlich durch den Polenfeldzug, an dem Leuninger als Feldwebel teilnahm, noch verstärkt worden. Auf jeden Fall schrieb er in einem Brief an seine Brüder: „Es gibt nichts, was einen Krieg rechtfertigt, und es ist jedes Mittel erlaubt, das einen Krieg verhindert.“ Sein Bruder Alois notierte in seinen Aufzeichnung über Franz Leuninger, dass dieser wenige Tage vor dem Attentat am 20. Juli im engsten Familienkreis noch über die Konzentrationslager und die Gewaltherrschaft gesprochen habe. „Die Verbrechen sind so furchtbar, dass sie nur mit dem Blut der Besten gesühnt werden können“, soll er dabei gesagt haben.

Wie stark Franz Leuninger in den Widerstand eingebunden war, das war der Familie nicht bekannt, sagen die Neffen Ernst und Herbert Leuninger. Die Geistlichen, die heute in Limburg leben, wohnten bis Juni 1942 in Köln und anschließend in Mengerskirchen. In Köln war der Onkel aus Breslau häufiger zu Gast. Der Aufenthalt in der Stadt, so der Eindruck der Neffen, war stets auch mit Kurieraufgaben verbunden. Auf jeden Fall habe der Onkel stets mehrere Wohnungen in der Stadt aufgesucht.

Erst mit der Verhaftung des Onkels sei klar geworden, wie er in das System des Widerstands eingebunden gewesen sei. Die Familie habe dabei auf ein schnelles Kriegsende gehofft, damit das Todesurteil, das schon vor dem Schuldspruch feststand, nicht vollstreckt werde.

 

Artikel vom 02.03.2015, 03:30 Uhr (letzte Änderung 02.03.2015, 09:56 Uhr)

Artikel: http://www.fnp.de/lokales/limburg_und_umgebung/Leuningers-Einsatz-bis-in-den-Tod;art680,1287682
 

© 2014 Frankfurter Neue Presse

 

70. Todestag von Franz Leuninger am 01. März 2015

Gedenkgottesdienst anläßlich des 70. Todestages von Franz Leuninger
Franz-Leuninger-Schule gedenkt in einem Gottesdienst des 70. Todestages ihres Namensgebers

WANN IST MAN EIN HELD?

Am 1. März jährte sich zum 70. Mal der Todestag von Franz Leuninger, der am 28. Dezember 1889 in Mengerskirchen im Westerwald geboren wurde. Obwohl sein Betätigungsfeld an unterschiedlichen Orten im damaligen Deutschen Reich lag, kehrte er immer wieder hier hin zurück. Er war mit Anna Paulina Meuser verheiratet. Beide hatten drei gemeinsame Söhne.

Leuninger erlernte zunächst das Maurerhandwerk und arbeitete später in christlichen Gewerkschaften mit. Er war ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus, nicht zuletzt durch Kriegserlebnisse, die ihm die Grausamkeit und die Menschenverachtung der Schergen um Adolf Hitler vor Augen führte. Franz Leuninger schloss sich als überzeugter Christ dem Widerstand an. Nach dem missglückten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde er am 26. September verhaftet und mehrere Monate in einem Berliner Gefängnis inhaftiert. Der Volksgerichtshof verurteilte ihn am 26. Februar 1945 zum Tode. Das Urteil wurde am 1. März 1945 vollstreckt, rund zwei Monate vor dem Ende des zweiten Weltkrieges.

Der 9-jährige Herbert Leuninger, ein Neffe von Franz und heute Pfarrer im Ruhestand, lauschte in der Wohnung seiner Eltern heimlich den Erzählungen seines Onkels, wenn dieser zu Besuch in Köln war. In bewegenden Worten berichtete er den zahlreichen Besuchern des Gottesdienstes davon, was Franz Leuninger antrieb seine Angst zu überwinden und mutig den Weg zu gehen, den ihm sein Gewissen und sein Herz vorgaben, auch wenn ihn dieser Weg zum Tode führen könnte. Vor diesem Hintergrund kann man Franz Leuninger als einen Helden ansehen. Pfarrer Leuninger erzählte so anschaulich und spannend von dem Mann, der auch sein Leben prägte, dass die „abstrakte Person“ der Zeitgeschichte für die Gottesdienstbesucher als jemand greifbar wurde, der auch heute unter uns leben könnte.

Die Franz-Leuninger-Schüler, insbesondere die vierten Klassen, hatten sich gut auf den Gottesdienst ihres Namenspatrones vorbereitet. Im Deutschunterricht lasen sie das Buch von Willi Fährmann „Der überaus starke Willibald“, in dem es um eine Mäusefamilie geht, in der sich eine besonders starke Maus mit Hilfe von Gesinnungsgenossen zum Mäuseboss und zum Tyrannen aufschwingt. Teile des Mäuserudels übernehmen die Parolen ohne Nachdenken, andere haben Angst aufzubegehren. Nur Lillimaus, die wegen ihres weißen Fells und ihrer roten Augen in die Bücherei verbannt wird, wehrt sich.

In einer Entscheidungsrunde konnten die Schüler durch Zuordnung ihres brennenden Teelichts ausdrücken, was sie am meisten an der Person des Franz Leuninger beeindruckt. Neben den Begriffen „Angst überwinden“, „Unrecht erkennen“ und „Nein sagen“ bewunderten viele Schüler den Mut, den ihr Namenspatron gezeigt hatte.